Aphasie bei Kindern und Jugendlichen – Eine erworbene Sprachbehinderung

Aphasie bei Kindern und Jugendlichen ist eine erworbene Sprachbehinderung, die infolge einer Schädigung des Gehirns durch Schädelhirntrauma, Schlaganfall, Tumor oder entzündliche Erkrankungen in unterschiedlicher Ausprägung auftreten kann.
Das Schädel-Hirn-Trauma nach Unfällen gilt mit 80% als Hauptursache für Aphasie im Kindesalter. Kinder erleiden Schädel-Hirn-Traumata am häufigsten durch Unfälle im Straßenverkehr, Stürze bei Spiel und Sport oder auch als Folge körperlicher Gewalt. Kindliche Aphasien unterscheiden sich im Erscheinungsbild, und im Verlauf erheblich von den Aphasien bei Erwachsenen.

Erst postnatale Schäden -also Schädigungen nach der Geburt- können per Definition eine (kindliche) Aphasie hervorrufen. Ist die zentrale Sprachstörung vor oder während der Geburt verursacht, sind Kinder von Beginn an nicht in der Lage eine normale Sprachentwicklung zu durchlaufen. Davon ist die Aphasie abzugrenzen.

Einige Autoren unterscheiden nochmals kindliche Aphasien von Aphasien bei Jugendlichen, weil sich die Kinder meist noch mitten im Erstspracherwerb befinden, während Jugendliche diesen bereits abgeschlossen haben und somit den Erwachsenen mit Aphasie näher stehen.

Bei Aphasie handelt es sich um den Verlust einer schon erworbenen Sprachfähigkeit. Der Begriff der kindlichen Aphasie wird auf beeinträchtige Kinder angewendet, die die Sprachentwicklung noch nicht abgeschlossen haben. Allerdings muss in diesem Zusammenhang betont werden, dass es sich bei einer Aphasie um einen Abbau oder Verlust vorhandener Sprachfunktionen handeln muss. Darin zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zu Sprachentwicklungsstörungen, da kindliche Aphasien nach bzw. während eines zunächst normal verlaufenden Spracherwerbs eintreten und die Folge eines klar umschriebenen Ereignisses sind.

Die Betroffenen erleiden Beeinträchtigungen bei der Wortfindung und im Sprachverständnis. Fähigkeiten wie Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen aber auch Gestik und Mimik können unterschiedlich stark berührt sein. Eine Intelligenzminderung liegt in der Regel nicht vor. Aufgrund der erworbenen Hirnschädigung sind neben der Aphasie häufig Begleitsymptome wie Halbseiten-ähmungen anzutreffen. Auch Epilepsien und Dysphagien (Schluckstörungen) können auftreten. Ist das Frontalhirn mitbetroffen, kommt es nicht selten zu Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen. Verhaltensauffälligkeiten, Aggressionen und in manchen Fällen auch Hyperaktivität werden besonders im schulischen Kontext beobachtet.

Jährlich erleiden in Deutschland etwa 3.000 Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr eine Aphasie. Allerdings geht man von einer weit höheren Betroffenenzahl aus, denn häufig handelt es sich bei den kindlichen Aphasien um ein nicht erkanntes bzw. wenig berücksichtigtes Phänomen.

Aphasie im Kindes- und Jugendalter bedeutet im geringsten Fall eine zeitliche Beeinträchtigung der Sprachentwicklung. Im schlimmsten Fall sind sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten verschüttet. Sprache kann nur mit Mühe und nicht in der Qualität der Muttersprache erlernt werden und bleibt in der Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt. Besonders der Bereich der Schriftsprache ist vielfach und anhaltend betroffen. Häufig sind die Schreib- und Lesefähigkeit weit mehr beeinträchtigt als die gesprochene Sprache.

Gerade im psychosozialen Bereich hat die Aphasie große Auswirkungen für das Kind und die Angehörigen. Die Sprache versagt ihren Dienst, Freunde ziehen sich zurück, das Kind wird aggressiv oder depressiv, Eltern und Angehörige sind hilflos. Die einzelnen Fälle von Aphasie bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich jedoch untereinander sehr stark voneinander, weshalb einheitliche Aussagen über das Erscheinungsbild der Aphasie bei Kindern schwierig zu treffen sind.

Gerade bei der Beschulung resultieren daraus Hindernisse für aphasische Kinder und Jugendliche. Hinzu kommt, dass Aphasie bei Kindern und Jugendlichen bisher in keinem Schulkonzept verankert wurde.

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