Orthesenversorgung nach Schlaganfall

Neben dem Erhalt der Kommunikation ist die Funktionsfähigkeit des Bewegungssystems eine wichtige Voraussetzung für Schlaganfallpatienten zur Teilhabe am Leben. Oft sind neben den kommunikativen Einschränkungen auch erhebliche Beeinträchtigungen der Motorik vorhanden. Sie behindern den betroffenen Menschen erheblich in seinen Tätigkeiten des täglichen Lebens.

Orthopädische Hilfsmittel können hier auf vielfältige Art und Weise eingesetzt werden.

Die Hilfsmittelversorgung hat sich heute den Therapiebedürfnissen von Schlaganfallpatienten ange- passt. Starre Systeme, die zur reinen Sicherung von Gelenken entwickelt worden sind und oft viel zu wenig Bewegung zugelassen haben, sind in vielen Fällen dynamischen Systemen gewichen. Dynamische Orthesen haben den Vorteil, dass sie knöcherne und muskuläre Strukturen schützen und gleichzeitig die Bewegungsfähigkeit erhalten oder anregen können.

Schulterversorgung bei Halbseitenlähmung
So kann z. B. eine Schultergelenkfunktionsorthese wie die NEURO-LUX® das Schultergelenk bei lähmungsbedingten Subluxationen vor unkontrolliertem Zug auf die gelenkumgebenden Strukturen schützen. Gleichzeitig wird die Bewegungsfähigkeit des Armes für Pendel- und Alltagsbewegungen erhalten.

Trainingsorthese für den Arm in der Klinik und in der Häuslichkeit
Ein sehr erfolgreiches Therapiekonzept zur Behandlung des Armes und der Hand nach Lähmungen, ist die Methode des „erzwungenen Gebrauchs“. Bei dieser Therapieform wird der nichtbetroffene Arm durch eine Orthese (z.B. NEURO-RESTRICT) am Einsatz gehindert und somit der Gebrauch der betroffenen Hand erzwungen. Diese Therapie ist unter Taub´sches Training, forced-use therapy oder CIMT bekannt.

Handlagerung, Mobilisation und Eigentraining bei Arm- und Handlähmungen
Die Kombination von Orthese und Eigentraining findet in der Therapieanwendung mit dem Hand- lagerungs- und Mobilisationssystem MOBILAS® Berücksichtigung. MOBILAS® kann als Handlagerungsorthese bereits in der frühen Phase der Rehabilitation bei schweren Lähmungen zum Schutz des Armes sowie im weiterführenden Verlauf zum Eigentraining eingesetzt werden.

Dynamische Versorgungsmöglichkeiten bei Fußheberschwäche
Bei Patienten mit Gangstörungen nach Schlaganfall ist oft eine Fußheberschwäche vorhanden. Die Lähmung führt beim Gehen häufig zu falschen Bewegungsabläufen. Neue Orthesen, wie z.B. die NEURODYN-COMFORT, unterstützen und stabilisieren die schwache Fußhebermuskulatur. Sie führen zu einem natürlicheren Gangbild und können Sturzgefahr verringern.

Fazit
Bei langzeitbetroffenen Patienten empfiehlt es sich, die aktuelle Versorgung mit Hilfsmitteln regel- mäßig mit dem behandelnden Arzt und/oder Therapeuten zu überprüfen. Durch lange Tragezeiten können sich sowohl die Wirkung eines Hilfsmittels als auch die Muskelfunktionen des Patienten im zeitlichen Verlauf ändern.
In der Regel sind die hier angesprochenen Orthesen verordnungsfähig. Sie werden über den Orthopädie- und Sanitätsfachhandel geliefert und angepasst. Die Kosten können von den Krankenkassen übernommen werden.

Autor:
Ullrich Thiel (Sensomotorik und Rehabilitation)
Lennestraße 74/75,  14471 Potsdam,Mail: Ullrich.Thiel@web.de,  Tel. 03327/730026

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